| Schleifer's Pferde traben schon in der fünften Generation |
Oft schon und immer wieder sagte man sie tot, die Volksbelustigung bei Kirmesfeiern und Schützenfesten. Aber trotz allem Tempo und aller Sensationen zwischen Himmel und Erde hält sich eine jahrhundertealte Attraktion bis heute auf dem Rummelplatz: Das Pferdekarussell ![]() Johann Schleifer, Schustergeselle und Metzger aus Füssenich bei Zülpich, besuchte als Kind oft die "Annakirmes" im nahegelegenen Düren. Mehr und mehr wurde er erfasst von der Faszination des Jahrmarktlebens. Es ließ ihm keine Ruhe und so kaufte er im Jahr 1878 in Frankreich sein erstes Pferdekarussell. Er ging also unter die Schausteller, und das zu einer Zeit, als eigentlich "nur" Komödianten und Fahrensleute diesen Beruf in Deutschland ausübten. Johann Schleifer's erste Frau, die leider schon sehr früh verstarb, gebar zwei Söhne, Johann und Anton. Seine zweite Frau, Sybilla geborene Rey, brachte ebenfalls zwei Kinder zur Welt, eine Tochter namens Elisabeth und als jüngsten Sproß einen Knaben mit Namen Reiner. |
Mündlichen Überlieferungen zu Folge stand Johann Schleifer bereits um 1900 mit einem Kettenkarussell auf dem Hamburger Dom, was in seiner Heimat Füssenich damals als kleine Sensation galt.
Als Johann Schleifer 1915 starb, hinterliess er seiner Frau und seinen Kindern zwei Pferde- und ein Kettenkarussell, sowie drei Häuser im Heimatort Füssenich. Der älteste Sohn Johann übernahm ein Pferdekarussell und bereiste damit nach dem ersten Weltkrieg hauptsächlich die Nordeifel und den Dürener Raum. 1933 ließ er das Karussell, das bis dahin noch von einem Pferd in der Mitte angetrieben wurde, von der Kölner Karussellbaufirma Achtendong auf elektrischen Antrieb umrüsten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der alte Holzmast entfernt und durch einen Stahlmast ersetzt. Bis heute wurde diese Konstruktion nicht mehr verändert. Das Karussell befindet sich immer noch in einem fast originalen Zustand und ist jederzeit Einsatzbereit. Das zweite Pferdekarussell aus dem Nachlass Johann Schleifers sen. nahm die Tochter Elisabeth mit in die Ehe mit dem Schausteller Jakob Heekerens aus Geldern. Im oder kurz nach dem zweiten Weltkrieg verkaufte sie das Pferdekarussell und erwarb danach ein Kindersportkarussell. Ihr einziger Sohn - wiederum ein Johann - machte sich Mitte der fünfziger Jahre mit einem Imbißbetrieb Selbstständig. Der dritte Sohn Johann Schleifers sen., Anton, reiste zunächst mit dem Kettenkarussell aus dem Nachlass seines Vaters, später mit einer Schiffschaukel und bis kurz vor seinem Tode noch mit einer handgetriebenen Gondelbahn. Anton Schleifer, der in seinen Jugendjahren als stärkster Mann der Welt und Kettensprenger bekannt geworden war, blieb trotz zweier Ehen kinderlos. Der jüngste Sohn Johann Scheifers sen., Reiner, war zuerst vermutlich mit einem kleinen Kettenkarussell unterwegs, welches auch heute noch vorhanden ist. Um 1925 kaufte ihm seine Mutter eine große Schiffschaukel. Beim Kauf der Schaukel lernte Reiner die Schaustellertochter Susanne Kropp aus Düsseldorf kennen, heiratete sie kurz darauf und hat mit ihr drei Kinder: Franz, Elisabeth und Jakob. Reiners jüngster Sohn Jakob übernahm das Pferdekarussell 1965. Er und sein Sohn Toni bereisen damit heute immer noch einige Kirmesplätze, beispielsweise in diesem Jahr zum fünfzigsten Male die vielzitierte Annakirmes in Düren und das Neusser Bürgerschützenfest, den Weihnachtsmarkt in Düren und einige kleine Kirmesplätze in der näheren Umgebung. 1979 kaufte Jakob Schleifer einen "Babyflug" hinzu, den sein Sohn Toni, der bis dahin schon drei Jahre mit einer kleinen Verlosung selbständig war, 1997 übernahm. Seit 1999 betreibt Toni Schleifer ebenfalls das Pferdekarussell aus dem Notverkauf seines Vetters. Mit beiden Karussells ist er erfolgreich auf den Euskirchener Kirmesplätzen vertreten, wo das Pferdekarussell des Urgroßvaters Johann wohl schon seit über hundert Jahren anzutreffen ist. |
![]() Die Familie Schleifer beim 100jährigen Gründungsfest 1978 |
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